Bossing

Aktualisiert am 12.05.2018

BossingBossing

Bossing bedeutet, dass der Vorgesetzte oder eben der Boss einen seiner Angestellten mobbt. Es stammt aus dem Englischen und wird von „downward bullying“ abgeleitet. Meist stellt diese Form des Mobbings eine besonders schwierig zu lösende Aufgabe dar, denn während ein gleichgestellter Kollege keine Macht über dich ausüben kann, ist das Privileg der Weisungsbefugnis die Waffe des Chefs. Besonders schwer, heißt aber nicht unmöglich.

 

Charakteristka

Laut einer Studie der Bundesagentur für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, ist der Vorgesetzte an jedem zweiten Mobbingfall als Täter beteiligt. Diese Häufigkeit führt Dr. Klaus Niedl in seinen Untersuchungen zu einem großen Teil auf die hierarchischen Unternehmenskulturen zurück. Bossing stellt dabei eine Art des Machtmissbrauchs dar. Auch führt er auf, dass Bossing durchaus ein Mittel ist um Mitarbeiter zur Kündigung zu bewegen und sich somit eine Abfindung zu sparen.

Allerdings wird auch Bossing oftmals willkürlich ausgeübt, sodass es auch jeden anderen hätte treffen können. Bis auf die oben genannten Merkmale ist es dem Mobbing zwischen Gleichgestellten sehr ähnlich. Dementsprechend gelten auch hier die selben Kennzeichen, um von Mobbing zu sprechen:

  • Wiederholte Angriffe oder Schikanen, die über einen längeren Zeitraum und regelmäßig erfolgen
  • Gezielt auf dich gerichtet. D.h. deine Kollegen bleiben weitestgehend verschont.

Außerdem kann Bossing meist klar in persönliche und hierarchische Angriffe unterteilt werden. Persönliche Schikanen sind dabei z.B.:

  • Ausgrenzungen
  • Beschimpfungen
  • Gerüchte streuen
  • Vor anderen bloß stellen

Folgende Beispiele sind charakteristisch für das Ausnutzen der hierarchischen Überlegenheit:

  • Unsachliche Kritik
  • Offensichtliche Falschbewertung von Arbeitsleistungen
  • Unangemessene Aufgaben fern des eigenen Tätigkeitsbereichs
  • Drohungen bezüglich Abmahnungen, Kündigungen oder anderen Machtinstrumenten
  • Vorenthalten von Informationen

Das alles sind sehr schmerzhafte Angriffe für das Opfer, welches sich gegen den Chef kaum zu helfen weiß.

Aber ist es vielleicht möglich, dass auch dein Vorgesetzter Probleme hat? Möglicherweise ist er sich nicht sicher in dem wie er handelt. Oder bekommt sehr starken Druck durch seinen eigenen Vorgesetzten. Könnte es sein, dass dein Boss sich dir gegenüber fachlich unterlegen fühlt? Unter Umständen möchte er dir eigentlich gar nichts böses.

 

Wie gegen Bossing vorgehen?

Wie du siehst, kann es für Bossing die verschiedensten Gründe geben. Und im besten Fall, mobbt dein Chef dich nicht einmal mit Absicht, sondern denkt es wäre der richtige Führungsstil. Nun gibt es verschiedene Ansätze um dagegen vorzugehen.

 

Gespräch suchen:

Zu Beginn empfehle ich dir immer ein Gespräch zu suchen bei dem du deinen Gegenüber nicht vor den Kopf stößt, sondern mögliche Missverständnisse beseitigst. Nichts ist ärgerlicher, als wegen einer solchen Kleinigkeit in ein tiefes Loch zu stürzen.

Vielleicht lässt dein Vorgesetzter ja auch durchsickern, aus welchem Grund er mobbt und du hast die Möglichkeit mit ihm darüber zu sprechen. Im besten Fall wird dann aus der Abneigung ein Vertrauensverhältnis und falls nicht, hast du es wenigstens versucht.

Auch ist es vorstellbar, dass das Bossing gar unabsichtlich stattfindet. Es könnte sein, dass dein Vorgesetzter unter starkem Stress leidet und das unabsichtlich oder unbewusst an dir auslässt. Ein Gespräch kann da durchaus weiterhelfen.

Sollte es jedoch umgekehrt laufen und dein Chef holt dich für ein Gespräch zu sich, so lege ein Protokoll über das Gespräch an und ziehe den Betriebsrat hinzu. Meist stecken keine guten Absichten dahinter. Aber nicht nur in diesem Fall ist eine ausführliche Dokumentation wichtig.

 

Mobbingtagebuch:

Ich habe es bereits in dem Artikel „Methoden gegen Mobbing“ erwähnt, aber ich kann es nicht oft genug schreiben. Egal ob zur mentalen Verarbeitung oder um Beweise zu sammeln. Am Ende kann dieses Tagebuch den Unterschied machen. Unabhängig davon, ob du von Kollegen oder durch den Vorgesetzten gemobbt wirst, solltest du definitiv ein Mobbingtagebuch führen. Zur genauen Vorgehensweise, klicke einfach auf den Link oben.

 

Verbündete suchen:

Egal ob Kollegen, Freunde, der Betriebsrat oder die Rechtsberatung. Verbündete können dich auf verschiedenste Arten unterstützen. Während Kollegen dich vor Informationsvorenthaltung bewahren oder der Betriebsrat den Vorgesetzten beeinflusst, können Freunde dich emotional stärken.

Nimm jedoch nicht jeden gut gemeinten Rat von ihnen als bare Münze, sondern informiere dich lieber bei Quellen, welche sich mit dem Thema bestens auskennen. So vermeidest du einen dieser Fehler zu begehen und kannst Mobbing wirklich effektiv bekämpfen.

Wie du deine Kollegen zu wichtigen Verbündeten machst und wie sie dir am besten helfen können, erfährst du ausführlich in meinem E-Book. Um Bossing zu beenden, braucht es fast immer die Mithilfe von Kollegen, denn nur so kannst du dich gegen die Vorenthaltung von Informationen wehren oder wichtige Zeugen gewinnen.

 

Rechtsweg:

An dieser Stelle verweise ich dich auf meinen Artikel über die Rechtslage. Welche Möglichkeiten du bei Mobbing am Arbeitsplatz oder speziell bei Bossing hast und wie du dich am besten darauf vorbereitest, erfährst du dort.

 

Wichtig:

Denke daran, dass wenn du aktiv gegen deinen Vorgesetzten vorgehst, besonders wenn du Dritte hinzuziehst, eine friedliche Übereinkunft meist nicht mehr möglich ist. Dies kann einen langen und harten Kampf nach sich ziehen und sollte dementsprechend als letzter Ausweg dienen.

Besser ist, wenn du dich vorsichtig rantastest und gleichzeitig ein stabileres Selbstbewusstsein entwickelst. Dadurch werden dir die Angriffe zunehmend egal und sie schaden deinem emotionalen Wohlbefinden nicht weiter. Manchmal reicht es bereits aus ein Gleichgültigkeitsgefühl zu entwickeln, sodass du die Angriffe nicht weiter als solche wahrnimmst. Auch darüber schreibe ich ausführlich in meinem E-Book und zeige dir einfache Methoden, um schnell zu dieser Einstellung zu gelangen.

 

Ich wünsche dir viel Erfolg auf deinem Weg!
Deine Anja 🙂